
Roça Santa Margarida

Lage und Anfahrt
Roça Santa Margarida liegt im Distrikt Mé-Zóchi auf der Insel São Tomé, etwa einen Kilometer südwestlich von Madalena und rund vier Kilometer nordwestlich von Trindade. Die Höhe beträgt ungefähr 240–350 Meter . Damit befindet sich die Roça in einer relativ niedrigen Lage im nördlichen Teil des Distrikts, klar unterhalb der eigentlichen Kaffeehochlagen.
Von der Hauptstadt São Tomé aus fährt man über Trindade in Richtung Madalena. Etwa vier bis fünf Kilometer vor Madalena zweigt rechts eine gut befahrbare Schotterpiste ab. Nach rund 2,5 Kilometern erreicht man die eigentliche Roça. Die Zufahrt ist unkompliziert und für normale Pkw geeignet, besonders bei trockenem Wetter. Die gesamte Strecke von der Hauptstadt bis zur Abzweigung dauert etwa 20–30 Minuten. Die Roça liegt etwas abseits der Hauptroute und eignet sich gut als kürzerer Stopp auf dem Weg nach Madalena oder zurück in die Hauptstadt.

Geschichte
Die Roça wurde um 1855 von dem Spanier Francisco de Assis Velarde y Romero (bekannt als Belard) gegründet und nach seiner Tochter Margarida benannt. Sie gehörte zu den großen landwirtschaftlichen Betrieben der Insel und umfasste ursprünglich vier Dependências: Santa Margarida selbst, Pedra Maria und São José (bei Madalena) sowie Maianço (bei Santo Amaro). Die bewirtschaftete Fläche betrug etwa 810 Hektar. Bereits 1870 wurde der Wert des Anwesens auf 18 Contos de Réis geschätzt – ein beträchtliches Vermögen für die damalige Zeit.
1869 holte Belard seinen Neffen Francisco Mantero nach São Tomé, der später sein Schwiegersohn wurde. Mantero stieg zu einem der einflussreichsten Plantagenbesitzer und Unternehmer der Insel auf und integrierte Santa Margarida in sein weit verzweigtes Netzwerk von Roças. Das Gut entwickelte sich zu einer der größten und produktivsten Kakaorocas der Insel.
1975, im Jahr der Unabhängigkeit, war Santa Margarida noch der zweitgrößte Kakaoproduzent des Archipels und lieferte knapp 1.000 Tonnen pro Jahr. Wie die anderen großen Roças wurde sie kurz darauf verstaatlicht und in ein staatliches Landwirtschaftsunternehmen umgewandelt. Mit dem Weggang der portugiesischen Leitung und eines großen Teils der qualifizierten Arbeitskräfte brach die Produktion in den folgenden Jahren stark ein.
Anbau
Auf Roça Santa Margarida wurde in erster Linie Kakao angebaut. Sie gehörte zu den großen Kakaorocas der Insel und lag im niedrigeren Kakaogürtel, nicht in den höheren Kaffeegebieten. Kakao war die Hauptkultur und bestimmte den Betrieb der Roça. Kaffee spielte auf São Tomé insgesamt eine wichtige Rolle, wurde aber vor allem ab etwa 600–800 Metern Höhe angebaut (wie in Monte Café oder Nova Moca). Santa Margarida lag mit ihrer Höhe von 240–350 Metern klar im Kakaobereich. Neben Kakao gab es in geringerem Umfang auch andere Kulturen und Selbstversorgungspflanzen, doch der wirtschaftliche Schwerpunkt lag eindeutig beim Kakao.
Zustand heute
Heute ist Santa Margarida eine kleine Ortschaft mit einer Wohnbevölkerung (2012 wurden 384 Einwohner gezählt). Die einstige Dimension der Roça ist auf dem Gelände noch erkennbar, der aktive Betrieb jedoch stark reduziert.
Die ältesten Gebäude sind weitgehend verfallen. Die neueren Bauten aus den 1950er- und 1970er-Jahren stehen dagegen noch relativ gut und zeigen Teile der ursprünglichen Verarbeitungsanlagen. Auch einzelne Maschinen sind noch vorhanden. Eine kleine Gemeinschaft lebt weiterhin auf dem Gelände – oft in den ehemaligen Arbeiterhäusern oder in späteren Anbauten – und betreibt eine begrenzte Landwirtschaft. Die großen Trocknungsflächen und der einstige Umfang der Kakao-Produktion gehören der Vergangenheit an.
Die Roça ist nicht touristisch erschlossen und verfügt über keine organisierte Besuchereinrichtung. Wer sie besucht, trifft auf ein typisches Bild vieler Roças nach der Unabhängigkeit: die baulichen Spuren einer großen Kolonialplantage, die von einer kleinen Gemeinschaft weiterbewohnt und in reduziertem Maß genutzt wird. Die kurze und unproblematische Anfahrt macht Santa Margarida zu einem praktikablen Zwischenstopp auf dem Weg zwischen Trindade und Madalena, wenn man den Wandel der großen Plantagen vor Ort sehen möchte.