Sao Tome Geschichte: die Entstehung der Kreolische Kultur

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Als die Europäer ab dem 15. Jahrhundert ihre Entdeckungs- und Kolonisierungsreisen antraten, trafen sie auf indigene Völker mit ihren reichen Kulturen und Traditionen. Die Interaktion zwischen Europäern und Einheimischen führte oft zu Konflikten und Ausbeutung, aber auch zu kulturellem Austausch. Gleichzeitig waren die Kolonisierungsbestrebungen eng mit dem transatlantischen Sklavenhandel verknüpft, der Millionen Afrikaner gewaltsam entwurzelte und in neue Länder verschleppte. Die brutale Realität der Sklaverei schuf eine Diaspora, die den Keim neuer Kulturen in sich trug.
Ursprünglich bezeichnete der Begriff "Kreole" Menschen spanischer oder portugiesischer Abstammung, die in den Kolonien geboren wurden. Im Laufe der Zeit erweiterte sich die Definition jedoch und umfasste nun auch Menschen afrikanischer Abstammung und Mischlinge, die in der Neuen Welt geboren wurden, sowie die einzigartigen und synkretistischen Kulturen, die sie entwickelten. Diese atlantischen kreolischen Gesellschaften zeichneten sich durch die Verschmelzung und Anpassung afrikanischer, europäischer und indigener Bräuche, Praktiken und Ideen aus.
Erscheinungsformen der Kreolisierung
In den Plantagenwirtschaften der Karibik und der Südstaaten der USA entwickelten sich unter repressiven Bedingungen kreolische Kulturen. Sklaven versuchten, Aspekte ihres afrikanischen Erbes zu bewahren und sich gleichzeitig in der aufgezwungenen europäischen Kultur zurechtzufinden. Afrikanische Religionen, Sprachen und Sozialstrukturen verschmolzen mit europäischen und indigenen Einflüssen zu einer eigenständigen kreolischen Identität.
Musik und Religion dienen als exemplarische Bereiche, in denen diese Kreolisierung deutlich sichtbar ist. Afrikanische Rhythmen und Musikstile verschmolzen mit europäischen Instrumenten und Harmonien zu neuen Genres wie Jazz und Calypso. Im Bereich der Religion verbanden sich afrikanische spirituelle Vorstellungen mit dem Christentum und führten zur Entstehung von Voodoo in Haiti, Santería in Kuba und Candomblé in Brasilien. Diese synkretistischen Religionen zeugen von der Widerstandsfähigkeit afrikanischer Spiritualität trotz des unerbittlichen Drucks europäischer Religionsaufzwingung.
Die Entstehung der Kreolsprachen
Auch die Sprache ist ein wesentlicher Bestandteil kreolischer Gesellschaften. Pidginsprachen entstanden als notwendiges Kommunikationsmittel zwischen verschiedenen Gruppen mit unterschiedlichen Muttersprachen. Im Laufe der Zeit entwickelten sich diese Pidginsprachen zu voll entwickelten Kreolsprachen mit eigenen Grammatik- und Ausdrucksregeln, wie beispielsweise Gullah auf den Sea Islands vor der Küste der südlichen Vereinigten Staaten, Kriol in Belize und Papiamento auf den ABC-Inseln der Karibik.

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Die kreolischen Gesellschaften von São Tomé, Príncipe und Cabo Verde
São Tomé, Príncipe und Kap Verde sind einzigartige Beispiele für frühe koloniale Kreolisierung und veranschaulichen die Beziehung zwischen Kolonialmächten und Sklaven. Die daraus entstandenen Gesellschaften und Sprachen belegen die weitreichenden kulturellen und menschlichen Auswirkungen der Kolonialzeit im Atlantikraum.
Gründung der ersten kreolischen Gesellschaften in São Tomé
Die Besiedlung dieser Inseln durch europäische Siedler, hauptsächlich Portugiesen, und afrikanische Sklaven führte zur Entstehung der ersten kreolischen Gesellschaften im Atlantik. Anders als in den Kolonien auf dem Festland, wo die Kolonialherrschaft den indigenen Gesellschaften aufgezwungen wurde, entstanden auf São Tomé, Príncipe und Kap Verde durch die Vermischung und Verschmelzung verschiedener Kulturen und Völker völlig neue Gemeinschaften.
Im Laufe der Jahrhunderte nahm die Vielfalt der Kolonialbevölkerungen von São Tomé, Príncipe und Kap Verde zu, nicht zuletzt aufgrund des stetigen Zustroms von Vertragsarbeitern aus verschiedenen afrikanischen Regionen. Dieser Prozess führte zu drastischen demografischen und sozialen Veränderungen und stärkte die kreolische Identität der Inselbewohner.
Entwicklung der Kreolsprachen
Die Vielfalt der aus verschiedenen Regionen und Ethnien Afrikas stammenden Sklavenbevölkerung spiegelt sich auch in der sprachlichen Vielfalt der Inseln wider. Diese sprachliche Situation bildete die Grundlage für die Entwicklung verschiedener Kreolsprachen in São Tomé und Príncipe, die Einflüsse mehrerer afrikanischer Sprachen und des Portugiesischen aufweisen.
Die zurückgezogene Lebensweise von Gemeinschaften wie den Angolaren begünstigte die Entstehung einer kulturell und sprachlich eigenständigen Gruppe innerhalb von São Tomé. Diese geschlossenen Gesellschaften stellten aufgrund ihrer Isolation einen einzigartigen Aspekt der Kolonialgeschichte und der kreolischen Kulturentwicklung dar.
São Tomé und Príncipe spielten in der frühen Kolonialgeschichte eine führende Rolle als Zentrum des Sklavenhandels und etablierten eine Plantagenwirtschaft, insbesondere für Zuckerrohr. Die harten Lebensbedingungen führten zu wiederholten Sklavenfluchten und zur Bildung unabhängiger Gemeinschaften, bekannt als "Quilombolas".
